Tilsit / Sowjetsk

Aus Tilsit stammen berühmte Leute. Zum Beispiel "Freiheitsdichter" Max von Schenkendorf, der vielleicht bedeutendste Lyriker der napoleonischen Befreiungskriege (Er schrieb den Text zum Liedern "Freiheit, die ich meine") - und der Schriftsteller Johannes (Konrad Bernhard) Bobrowski, bekannt durch seine Erzählungen "Litauische Claviere und "Levins Mühle". Dazu folgt hier noch etwas mehr.

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Natürlich kennt alle Welt den Tilsiter Käse, nur: Wie kam das eigentlich, von wem stammt das Rezept, was machte ihn so besonders, und wird er hier heute noch hergestellt? Hier stehenalso demnächst ein paar Fakten zum "Käse des Nordens", der vor bald zweihundert Jahren von einem Schweizer Milchbauern "erfunden" und von einer Berliner Geschäftsfrau berühmt gemacht wurde...

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Ordensburgruine

Anger und Tilsit-Theater

Hier folgen demnächst noch ein paar Fakten zum Tilsiter Frieden, den alten "Luisenkult" und seinem Andenken im heutigen Sowjetsk: Napoleonslinde, Gedenktafel, Stadtmuseum.

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Schlossmühlenteich

Der Schlossmühlenteich heißt heute gorodskoje osera, Stadtsee, und in der Tat: Wie ein kleiner See zieht sich das lang gestreckte, um 1560 vom Deutschen Orden als Wasserspeicher für die Burg, Fisch- und Mühlteich angestaute Gewässer südlich der Altstadt hin. An seinem westlichen Ausläufer lädt der idyllische Stadtpark, im 19. Jahrhundert als Volkspark Jacobsruh gegründet, zu Spaziergängen ein. Die im Park einst stehende Statuette für Königin Luise gibt es (natürlich) nicht mehr.

Ganz in der Nähe des Parks fällt die am historischen Ort neu erbaute Katholische Kirche auf (ul. Iskryj). Der Gemeinde gehören hauptsächlich Litauer an. In Sowjetsk lebt (wie einst in Tilsit) eine starke litauische Minderheit. In der Umgebung der ul. Iskry ist bis zum Leninplatz (Hohes Tor) viel vom alten Tilsit erhalten, allerdings zum teil in sehr schlechtem Zustand. Nahe der ul. Lenina fällt eine ehemalige, architektonisch ziemlich brutal in eine Fabrik umgebaute Kirche auf: es ist die ehemalige Tilsiter neogotische Kreuzkirche (1911).

Königin-Luise-Brücke

Die 1907 symbolträchtig (100. Jahre Tilsiter Frieden) eröffnete, 416 Meter lange, dem Andenken an die populäre preußische „Königin der Herzen" gewidmete Luisenbrücke über die Memel war und blieb das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Pioniere der deutschen Wehrmacht sprengten die Bogenkonstruktion im Oktober 1944, um den Vormarsch der Sowjetarmee aufzuhalten. Nach dem Wiederaufbau blieb nur das markante neobarocke Sandsteinportal mit den beiden Filialtürmen übrig. Jahrzehntelang prangte das Wappen der Sowjetunion in der Mitte des Portalbogens, erst 2005 kehrte das Medaillon der preußischen Königin Luise, eine Replik des Originals, an seinen historischen Platz zurück.

Für die heutigen Bewohner der russischen Exklave Kaliningrad erscheint die Brücke wie ein Symbol ihrer Insellage. Genau in der Flussmitte verläuft die Grenze zum EU-Land Litauen, die als Außengrenze des Schengen-Europa für die Russen visapflichtig abgeriegelt ist. Eine Brücke als paradoxes Sinnbild: Während in der EU die Grenzen fallen, wächst hier eine neue Barriere.

Memel (Neman)

Ohne einen Blick auf den gemächlich dahinströmenden Memelstrom sollte kein Tilsit-Besuch zu Ende gehen. Die melancholische Stimmung an diesem geschichtsträchtigen Strom erschließt sich am besten, wenn man links am Grenzterminal vor der Luisenbrücke vorbei hinunter zur Uferterrasse spaziert. Der etwa 300 Meter breite Fluss, von den Russen Neman, von den Russen Nemunas genannt, hat seine einstige wirtschaftliche Bedeutung als Wasserstraße verloren – eine Bedeutung, aus der auch der Wohlstand Tilsits als Handelsstadt wuchs. Heute gehört die Memel den Anglern. Dies- und jenseits stehen sie am Ufer und warten auf Beute. Dass der Strom nun (genau in seiner Mitte) die EU-Außengrenze markiert, das zumindest muss die Rybaki nicht stören: Fische brauchen kein Visum.

Hohe Straße (ul. Pobedy)

Sie war es in Tilsit und blieb es in Sowjetsk: die Hauptgeschäftsstraße und Flaniermeile der Stadt. Ihren historischen Namen erhielt die „Hohe", wie die Tilsiter nur sagten, im 17. Jahrhundert, als man die damalige Littauische Gasse zum Schutz vor Hochwasser über Flussniveau aufschüttete. Heute heißt sie uliza Pobedy, Straße des Sieges. Wohl haben fast alle der schönen alten Bürgerhäuser in den sowjetischen Jahrzehnten arg gelitten. Doch Gründerzeit, Jugendstil und Historismus, die mit Medusenköpfen, Löwenhäuptern und Fabelwesen verzierten Fassaden, schmiedeeiserne Balkongeländer und phantasievoll gestaltete Wasserspeier erzählen immer noch von Wohlstand, Tatkraft und Geist ihrer einstigen Besitzer. Imposant: die ul. Pobdy 41 mit der Ritterfigur unter der Dachtraufe. Schön auch die Fassade des einstigen Luisentheaters (Nr. 6)

 

Die Hohe Straße verläuft zwischen dem Fletcherplatz und dem Hohen Tor, heute Leninplatz (pl. Lenina). Den Platz flankiert wie einst das frühere Amts- und Landgericht, nun Sitz der Stadtverwaltung und Kulturhaus der Papierfabrik. Dem repräsentativen Bau gegenüber steht etwas erhöht das alte neue Wahrzeichen der Stadt: der Tilsiter Elch. Die um 1910 von Ludwig Vordermayer geschaffene überlebensgroße Plastik des ostpreußischen Wappentieres kehrte 2006 nach über 60-jährigem „Exil" im Kaliningrader Zoo in seine Heimatstadt zurück (wenn auch nicht ganz an ihren historischen Platz am Anger) und avancierte vom Fleck weg zum beliebtesten Fotomotiv von Tilsit/Sowjetsk.

Die rechte Spalte

Mal sehen, wie der Text in der rechten Spalte so läuft, wichtig sind mir hierbei harmonische Abstände und ein gut lesbarer Textfluss.

Fletcherplatz (pl. zentralnaja)

Eigentlich gibt es den Fletcherplatz gar nicht mehr. Sowjetische Stadtplaner ließen hier in den 1970er alles schleifen, was den Platz einst prägte, auch die Litauische Landkirche und die 1963 durch einen (für Filmarbeiten absichtlich gelegten) Brand verwüstete Ruine der Lutherkirche (sie stand in etwa dort, wo sich heute nahe des Flussufers die verwahrloste Springbrunnenanlage befindet) verschwanden. Die seither schlicht Zentralplatz (zentralnaja ploschtschadj) genannte Asphaltfläche vereint stadthistorisch gesehen Fletcher-, Schloss- und Ludendorffplatz und ist der einzige Ort im Zentrum von Sowjetsk, der sich in seiner Form radikal verändert hat. Vor den am Rand des Platzes hochgezogenen zwölfstöckigen Wohnblocks erinnert seit 1992 ein Gedenkstein in drei Sprachen an den Tilsiter Frieden: Napoleon, Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. Und Zar Alexander I. schloss den berühmten Friedensvertrag im Juli 1807 auf einem in der Mitte des Memelstroms verankerten Floß. Preußen verlor damals die Hälfte seines Königsreichs.

 

Historisch gesehen entstand der Fletcherplatz aus dem alten Getreidemarkt Tilsits. Er ist der ideale Ausgangspunkt für Stadtspaziergänge, denn hier beginnt auch die Flaniermeile der Altstadt: die Hohe Straße, heute uliza Pobedy.

Die "Stadt Ohnegleichen"

Wie die Speichen eines Fächers laufen die großen Straßen der historischen Altstadt Tilsits auf dem Fletcherplatz zusammen – dort, wo seit 1907 die Königin-Luise-Brücke über den Memelstrom nach Litauen führt. Gerade auf dem einstigen Fletcherplatz, wird gebürtigen Tilsitern vieles sehr verändert vorkommen: Krieg und Sozialismus schlugen hier besonders große Lücken. Die prachtvolle barocke Lutherkirche, auch Deutsche Kirche oder Deutschordenskirche genannt: verschwunden. Trotzdem zählt Sowjetsk, wie Tilsit seit 1946 heißt, zu den besterhaltenen Städten im Kaliningrader Gebiet. Die Altstadt erinnert mit ihren harmonisch komponierten Straßenzügen an die einstige Bedeutung der seinerzeit nordöstlichsten Großstadt Deutschlands, die als Handelszentrum an der Memel schon im Mittelalter zu Wohlstand aufstieg.

 

Den sowjetischen Neusiedlern blieb der gewachsene Rhythmus der historischen Architektur in der "Stadt Ohnegleichen" lange fremd. Noch in den 1970er Jahren riss man ganze Häuserzeilen ab, auch das Schloss, das barocke Rathaus, so gut wie alle Kirchen. Verfall, alle Phasen von Zerstörung und die Spuren jahrzehntelanger, in Gleichgültigkeit und Unkenntnis wurzelnder Vernachlässigung sind allgegenwärtig und in ihrem Ausmaß teilweise erschreckend. Doch auch in Tilsit sind Zeichen einer Besinnung auf das historische Erbe, eines wachsenden Bewusstseins für die alte Stadt und ihre Geschichte nicht zu übersehen. Manche Fassade wurde schon im historischen Stil restauriert, im Museum nimmt das Thema Tilsit großen Raum ein, und die Stadt hat sich ihr altes Wahrzeichen aus Kaliningrad zurückgeholt: den Tilsiter Elch.

 

Sowjetsk ist die zweitgrößte Stadt des Kaliningrader Gebietes und der wichtigste Gewerbestandort im Nordosten der Exklave. Größter Arbeitgeber ist das Zellstoffkombinat – ein hochproblematisches Thema: Zum einen hängen hunderte Jobs an diesem Betrieb, andererseits zählen (noch aus deutscher Zeit stammenden) Papierfabriken Sowjetsk und Neman mit ihren giftigen chlorhaltigen Abwässern zu den schlimmsten Verschmutzern der Memel und des Kurischen Haffs. Immerhin wird mittlerweile, mit finanzieller Förderung durch die EU, an speziellen Kläranlagen gebaut. In Neman ist sie schon fertig, in Sowjetsk soll sie demnächst in Betrieb gehen.

Trotz ihrer 45 000 Einwohner hat Sowjetsk so gar nichts Großstädtisches, im Gegenteil: Hier, an der Grenze 120 Kilometer von Kaliningrad entfernt, geht es beschaulich und provinziell zu, gar nicht zu vergleichen mit der hektischen, lauten Gebietshauptstadt...